Wiesbaden, den 01.12.2005

Mieterbund warnt vor übereilter Einführung von REITs

Der Deutsche Mieterbund – Landesverband Hessen e.V. hat die hessische Landesregierung vor der übereilten Einführung von REITs gewarnt. REITs (Real Estate Investment Trusts) sind börsennotierte Firmen, die ausschließlich in Immobilien investieren und ihre Gewinne nahezu vollständig an die Anleger ausschütten. Nach Schätzungen von Fachleuten könnten damit in den nächsten Jahren Immobilienbestände von mehr als 100 Mrd. EUR „marktfähig“ gemacht werden. Anfang Oktober hatte Hessens Finanzminister Weimar laut Zeitungsberichten angekündigt, dass das Land Hessen wohl das erste Bundesland sein werde, „das einen börsenfähigen REIT auflegt“. Ministerpräsident Roland Koch hat sich ebenfalls laut einem Bericht des Handelsblattes vom 28.10.2005 für die Einführung von REITs ausgesprochen. Vor diesem Hintergrund warnte der Vorsitzende des hessischen Mieterbundes, Wolfgang Hessenauer, in Wiesbaden vor voreiligen Schritten. Es sei bisher vollkommen ungeklärt, wie sich die Einführung von REITs auf die Bewohnerschaft der betroffenen Immobilienbestände auswirke. Es sei zu befürchten, dass sich damit in der Wohnungswirtschaft eine Shareholder Value-Mentalität breit mache, die letztendlich zu Lasten der Mieter gehe. Zwischen den Anlegern und den Bewohnern in den Immobilienbeständen gebe es dann keinerlei persönliche Beziehung mehr. Der Renditedruck sei um ein Vielfaches höher, als bei anderen Formen der Immobilienanlagen. Das Management von REITs-Unternehmen müsse seine Tätigkeit ausschließlich auf die Renditeerzielung konzentrieren. Dazu gebe es diverse Wege:  Maximale Ausnutzung der Mieterhöhungsmöglichkeiten,  Mieterprivatisierung und sonstige Verkäufe aus dem Bestand,  Unterlassung oder Streckung notwendiger Instandhaltungen und Instandsetzungen,  Luxusmodernisierungen in ausgewählt guten Lagen mit dem Ziel der Verdrängung der vorhandenen Mieter und des Abschlusses neuer Verträge mit zahlungskräftigeren Mietern,  Umwandlungen in Eigentumswohnungen etc.. REITs könnten die negativen Wirkungen von Wohnungsverkäufen spürbar verstärken. Vor allem führten sie durch die Erhöhung des Verwertungsdruckes zur Verteuerung der Wohnkosten und damit zu einer Veränderung der Wohnviertel und Nachbarschaften durch die Verdrängung einkommensschwacher Mieterhaushalte aus guten Lagen. Soweit man sich seitens der öffentlichen Hand durch die Einführung von REITs vermehrte Steuereinnahmen verspreche, stünden diesen wiederum Folgekosten in Form erhöhter öffentlicher Transferzahlungen gegenüber, deren Höhe bisher noch gar nicht absehbar sei. Die Kräfte des Marktes würden keine Lösungen für die sozialen Fragen des Wohnens, für die Anpassung der Städte an die demografischen Veränderungen und für ein friedliches Zusammenleben einer mulitkulturellen Gesellschaft in den Quartieren schaffen, erklärte Hessenauer abschließend.

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