Gießen, den 10.03.2006

Mieterbund Hessen fordert bedarfsorientierten Energieausweis

Der Deutsche Mieterbund (DMB) – Landesverband Hessen e.V. hat die Landesregierung aufgefordert, ihren Einfluss bei der Bundesregierung geltend zu machen, damit diese endlich die Voraussetzungen für die Einführung eines einheitlichen, objektiven und verständlichen Energieausweises zur Kennzeichnung des Energiebedarfs von Immobilien schafft. „Wir brauchen einen bedarfsorientierten, das heißt an objektiven Kriterien angelegten Energieausweis“ erklärte Verbandsvorsitzender Wolfgang Hessenauer anlässlich einer Vorstandssitzung in Gießen. Nur hierdurch werde die Energieeffizienz eines Gebäudes vergleichbar. Angesichts explodierender Energiepreise und des Klimawandels sei der Energieausweis als Transparenzinstrument eine riesige Chance für mehr Wettbewerb und Innovation, er könne Investitionen auslösen und damit Arbeitsplätze in Deutschland schaffen. Der Deutscher Mieterbund lehne Pläne für einen „verbrauchsorientierten Energieausweis“ ab. Der Energieausweis dürfe nicht zu einer standardisierten Heizkostenabrechnung mit einer Sammlung allgemeiner Energiespartipps verkommen, der lediglich Auskunft über den subjektiven Energieverbrauch früherer Nutzer gibt. „Die anbietende Wohnungswirtschaft will Transparenz und Vergleichbarkeit auf dem Wohnungsmarkt offensichtlich um jeden Preis verhindern. Hierdurch werden letztlich der schlechte energetische Zustand einzelner Immobilien und die damit verbundenen hohen Energiekosten verschleiert“, erklärte Hessenauer. „Das Gegenteil wäre richtig. Es ist jetzt endlich an der Zeit, die Energiedaten von Immobilien für Verbraucher offen zu legen. Die Intransparenz im Gebäude- und Wohnungsmarkt ist ein Hindernis für sinnvolle Investitionen und Modernisierungen und verhindert Kostensenkungen.“ Hessenauer verwies auf ein von der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) und vom DMB vorgelegtes Gutachten mit einem konkreten Vorschlag für einen bedarfsorientierten Energieausweis nach dem ’Kühlschrankmodell’. Dieser Ausweis mache die Energieeffizienz eines Gebäudes wirklich vergleichbar und damit zum Auswahlkriterium für die Anmietung oder den Kauf einer Immobilie. "Der Energieausweis kann maßgeblich zur Reduktion der CO2-Emissionen der privaten Haushalte und damit zum Klimaschutz beitragen. Rund ein Drittel des Primärenergieverbrauchs der privaten Haushalte in Deutschland ist auf Raumheizung und Warmwasseraufbereitung zurückzuführen, die hier bestehenden Energie- und CO2-Einsparpotenziale sind enorm", so Hessenauer. Allerdings werde nur eine objektive, bedarfsorientierte Ausgestaltung des Energieausweises tatsächlich zu einer Steigerung der Sanierungseffizienz führen und die notwendige Grundlage für eine effektive CO2-Minderung im Gebäudebestand schaffen. Die Vergleichbarkeit der Energieausweise sei zudem aus Verbraucherschutzsicht unerlässlich.

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