Wiesbaden, den 10.04.2008
Der Beratungsbedarf der Mieterinnen und Mieter in Hessen steigt unaufhörlich. Wie der Vorsitzende des Deutschen Mieterbundes - Landesverband Hessen e.V., Wolfgang Hessenauer, anlässlich einer Tagung der hessischen Mietervereine in Kassel mitteilte, ist die Zahl der durchgeführten Mieterberatungen bei den 25 hessischen Mietervereinen im letzten Jahr um rd. 1.000 gegenüber dem Vorjahr 2006 gestiegen. Mit 80.563 Beratungen wurde ein neuer Beratungsrekord erzielt. Der ständig steigende Beratungsbedarf - seit dem Jahr 2000 um rund 30 Prozent - und auch der ständig steigende Beratungsumfang im Einzelfall seien ein eindrucksvolles Zeugnis dafür, dass Mietprobleme und ständig steigende Wohnkosten immer mehr Mieterhaushalte belasten. In den 25 hessischen Mietervereinen des Deutschen Mieterbundes sind rd. 100.000 Mieterhaushalte organisiert.
Seit Jahren führen die Heiz- und Nebenkostenabrechnungen die „Hitliste" der Mietprobleme an. Im letzten Jahr entfielen 32,8 Prozent (2006: 31 Prozent) der Beratungen auf die Überprüfung von Heiz- und Nebenkostenabrechnungen. „Und hier scheint auch ein Ende der Fahnenstange nicht absehbar", erklärte Hessenauer. Im Jahr 2000 seien es „nur" 25 Prozent aller Beratungen gewesen. Bei mindestens der Hälfte aller überprüften Heiz- und Nebenkostenabrechnungen werde ein Fehler aufgedeckt oder bestehe zumindest Erläuterungsbedarf. Hier liege jedenfalls das höchste Einsparpotenzial „begraben".
Mit Abstand folgten an zweiter Stelle Beschwerden über Mängel in der Mietwohnung. In fast 13.000 Fällen mussten die hessischen Mietervereine im letzten Jahr deshalb tätig werden. Und hier mache die Zunahme der Probleme mit Schimmelbildung in Wohnraum inzwischen einiges Kopfzerbrechen. Allzu gerne wimmelten Vermieter Ansprüche von Mietern mit dem Hinweis darauf ab, dass diese angeblich nicht richtig heizen und lüften. Häufig seien aber in Wahrheit bauphysikalische Gründe die Ursache für die Schimmelpilzbildung.
Mit Fragen zu Mieterhöhungen suchten Vereinsmitglieder „nur" in gut fünf Prozent aller Beratungsfälle die Beratungsstunden auf. Dies könne sich aber in den nächsten Jahren wieder ändern, erklärte Hessenauer. Erfahrungsgemäß führten konjunkturelle Erholungen der Gesamtwirtschaft mit leichter zeitlicher Verzögerung zu neuen Engpässen am Wohnungsmarkt, die aller Erfahrung nach auch wieder zu steigenden Mieten führen. In den letzten Jahren lag der Anstieg des Mietenindexes ohne Heiz- und Nebenkosten etwas unter dem Anstieg der allgemeinen Lebenshaltungskosten. Dafür sind aber nach den Zahlen des hessischen Statistischen Landesamtes die Energiekosten seit 2001 um über 40 Prozent gestiegen.
Alles in allem bestätige der steigende Beratungsbedarf, dass der Druck auf die Mieterinnen und Mieter durch steigende Wohnkosten immer größer werde. Im Durchschnitt müssten Hessens Mieterinnen und Mieter fast schon ein Drittel ihres Haushaltseinkommens für die Wohnkosten aufbringen. Bei den unteren Einkommensbeziehern liege die Wohnkostenbelastung nicht selten bei 40 bis 50 Prozent, erklärte Hessenauer.