Die Ankündigung von Hessens Wirtschaftsminister Dieter Posch, für den Bau von rund 730 Sozialwohnungen Landesbaudarlehen in Höhe von 54 Mio. Euro zu Verfügung zu stellen, ist vom Deutschen Mieterbund - Landesverband Hessen e.V. grundsätzlich begrüßt worden. Allerdings sei dies nicht mehr, als ein Tropfen auf den heißen Stein, erklärte der Direktor des Hessischen Mieterbundes, Jost Hemming, in Wiesbaden. Notwendig sei mindestens das Dreifache, um die drängendsten Probleme in den angespannten Wohnungsmärkten des Rhein-Main-Gebietes einigermaßen im Griff zu behalten. Der aktuelle Neubaubedarf liege bei mindestens 20.000 Wohnungen pro Jahr, davon ein Viertel bis ein Drittel im öffentlich geförderten Wohnungsbau. Die derzeitigen Fertigstellungszahlen lägen weit darunter.
Zur Begründung verwies Hemming auf den rapide abschmelzenden Sozialwohnungsbestand, der aufgrund der regulären Rückzahlungen der Baudarlehen bis zum Jahr 2015 hessenweit unter die 100.000er Grenze fallen werde. Demgegenüber nehme die Zahl der Haushalte, die auf öffentlich geförderten Wohnraum angewiesen seien, dank der aktuellen Wirtschaftskrise und der immer weiter auseinanderklaffenden Einkommensschere ständig zu. Der Bestand an preiswertem Wohnraum schrumpfe rapide zusammen, zumal der Altbaubestand durch aufwendige Sanierungen und Modernisierungen sowie die Umwandlung in Eigentumswohnungen ständig verteuert werde. Neubaumieten von 9 bis 11 Euro pro Quadratmeter in Wiesbaden, Darmstadt oder Frankfurt könnten die meisten Durchschnittsverdiener nicht bezahlen, von den niedrigeren Einkommensschichten ganz zu schweigen. Da helfe auch das verbesserte Wohngeld nicht weiter.
Wenn man in den Städten des Rhein-Main-Gebietes einer zunehmenden räumlichen Polarisierung in Arm und Reich entgegenwirken wolle, müsse das Engagement der öffentlichen Hand in den nächsten Jahren dringend verstärkt werden. Andernfalls werde der Verbleib insbesondere der einkommensschwächeren Haushalte über kurz oder lang zu einer brennenden sozialen Frage, fürchtet man beim Mieterbund.